Chefarzt droht der Knast: Zitronensaft statt Desinfiziermittel verwendet

Handschellen

Endlich wird ein Urteil in einem der spektakulärsten Klinik-Pfusche erwartet. Arnold P., der ehemalige Besitzer und Chefarzt eines Krankenhauses bei Mönchengladbach setzte anstelle eines Desinfektionsmittels Zitronensaft ein, um die Wunden seiner Patienten zu reinigen.

Urteil wird heute erwartet

Richter Lothar Beckers am Mönchengladbacher Landgericht wird heute das Urteil gegen den Pfuscher-Arzt verkünden. Am Anfang waren sieben Mediziner angeklagt, doch die Vorwürfe gegen die untergebenen Ärzte wurden schnell fallen gelassen, weil sie sich als nicht haltbar oder zu gering erwiesen. Die Taten des Arnold P., Klinik-Besitzer, Chefarzt, ärztlicher Direktor und Operateur in einem, kamen jedoch nach und nach zum Vorschein. Sieben Tote und 60 Fälle von Körperverletzung sollen auf sein Konto gehen.

Endlich ein Geständnis

Rund 1,5 Jahre musste das Gericht auf ein Geständnis warten. Vor ein paar Tagen war es dann soweit: Arnold P. bekannte sich zu den Taten, weil ihm das Gericht im Falle eines Geständnisses eine Strafe zwischen 3,5 und 4,5 Jahre Haft in Aussicht gestellt hatte. Dazu kommt noch ein mehrjähriges Berufsverbot.

Die Pfuschereien

Arnold P. hat nicht nur Zitronensaft anstatt Desinfiziermittel verwendet, sondern auch gesunde Organe entfernt, massiv fehlerhaft behandelt und die Hinzuziehung von Spezialisten regelmäßig abgelehnt. Bei einer Patientin ließ er die Behandlung abbrechen, ohne vorher mit seinen Kollegen oder den Angehörigen darüber zu sprechen. Oberstaatsanwalt Lothar Gathen warf dem Angeklagten Selbstüberschätzung und Beratungsresistenz vor.

„Er hat sich übernommen“

Arnold P. behauptet dagegen, im Grunde sei er unschuldig, weil er sich übernommen hatte und deswegen überlastet gewesen sei. Wie das allerdings die Entnahme gesunder Organe und die Durchführung komplizierter Mikrochirurgie, für die ihn sowohl die Kenntnis als auch das Werkzeug fehlte, erklärt, bleibt dahingestellt. Den überlebenden Opfer und Angehörigen ist die Höhe der Haftstrafe nicht das Wichtigste, sondern ein Berufsverbot. Sie wollen nicht, dass Arnold P. in ein paar Jahren, wieder Menschen behandelt und dann womöglich wieder dieselben Pfuschereien durchführt.

Bild: © mipan – Fotolia.com

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