Psychischer Druck für Studenten wächst

Studentin ist verzweifelt über BüchernDas Ergebnis eines Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK) bereitet Sorgen: Immer mehr Studenten leiden unter Stress. Die Folge sind immer häufiger psychische Störungen, die medikamentös behandelt werden müssen.

Umstellung im Bildungssystem schuld?

“Die Vermutung liegt nahe, dass die jüngsten Reformen in der akademischen Ausbildung nicht spurlos an den jungen Menschen vorbeigehen”, so der TK-Chef Norbert Klusen. Nicht nur die Techniker Krankenkasse stelle diesen Trend fest, sondern auch das Deutsche Studentenwerk. Dieses bestätigt, dass an den Beratungsstellen der Hochschulen eine anhaltend hohe Nachfrage nach psychologischer Beratung herrscht. Allerdings sieht das Deutsche Studentenwerk nicht ausschließlich die Neustrukturierung der akademischen Ausbildung als Auslöser.

Immer höherer Druck

Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes, Achim Meyer auf der Heyde, gibt zwar zu, dass die neuen Studiengänge hohe Leistungsanforderungen an die Studenten stellen, aber er räumt auch der Gesellschaft eine bedeutende Rolle ein. Er nennt die gesellschaftlichen Erwartungen „hoch, wenn nicht unerfüllbar“. Zusätzlich machen sich die Studenten selber Druck und belasten ihre Psyche.

Stressbewältigung

Der Psychologe Heiko Schulz, der für die Krankenkasse arbeitet, sagt klipp und klar: “Bologna macht krank.” Beim so genannten Bologna-Prozess wurden europaweit die Bachelor-Master-Studiengänge eingeführt und Magister und Diplom abgeschafft. Dies hat eine Verkürzung und Verschulung des Studiums zur Folge. Schulz empfiehlt betroffenen Studenten, Trainings zur Stressbewältigung zu absolvieren und Kompetenzen gegen Prüfungsängste zu entwickeln. Meyer auf der Heyde verteidigt dagegen die Einführung des Bachelors.

Depressionen in der Studentenschaft

Insgesamt wurden den Studenten 2010 ein Viertel mehr Medikamente verordnet als noch 2006. Besonders Besorgnis erregend ist allerdings, dass der Anteil von Präparaten zur Behandlung des Nervensystems bei Studenten um 54% größer sei als noch vor 4 Jahren. “Fünf Prozent der Studentinnen und drei Prozent der männlichen Hochschüler bekommen mittlerweile Medikamente gegen Depression”, so der besorgte Krankenkassenchef.

Bild: © Davide Pesce – Fotolia.com

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